Life Fashion Beauty Places Men Fun
Life

Bedienung!

März 14, 2018

Ich sitze im Café und werde schon seit 15 Minuten tunlichst ignoriert. Es trennen mich etwa 4 Meter und gut 14 Milliliter nackter Angstschweiss vom flapsigen Kellner. Ich weiss, dass ich ihn ansprechen muss, um irgendwann mal etwas zu Trinken zu bekommen, vielleicht sogar ja etwas zu Knabbern! Aber ich darf keinen Fehler machen. Denn eine falsche Geste von mir, ein zu frühes Ansprechen, ein Unterton, eine unterlassene Information, und er würde mir den Rest meiner Zeit im Café zur Hölle machen.

Er ist wahrscheinlich, nein ziemlich sicher, nur vorübergehend hier im Service. Seine wahre Berufung ist Schlagzeuger in einer Band. Vielleicht auch Bassist. Jedenfalls ist mich zu bedienen ein Affront und eine Herabwürdigung seiner Person, was er mich und alle anderen deutlich spüren lässt.

Wir sind in diesem Café nicht alle gleich, ich bin schlechter. Denn ich hetze mit meinen dreisten Forderungen diesen jungen, talentierten Mann herum! Soll er mir etwa noch meinen Hintern hinterhertragen? Ich bin schliesslich erwachsen! Gott im Himmel, so ein Cappuccino muss ja wirklich nicht sofort sein, ich habe doch Zeit und kann doch warten, bis er innerlich auch bereit ist, mir einen zu machen!

An meiner Erwartungshaltung muss ich wirklich dringend mal arbeiten.

Manchmal dünkt mich, in der Schweiz wird nicht gerne bedient. Wir sind kein Volk von Dienern. Wir sind stramme Eidgenossen und haben schon 1291 auf dem Rütli geschworen, dass wir keine Tyrannei dulden. Wir unterjochen uns weder der EU, noch irgendwelchen gierigen Gästen im Café, die so einen Aufstand wegen einer Tasse Kaffee machen.

Wir sind keine Amerikaner. Wir begrüssen unsere Kunden nicht mit „Hallo Schätzchen“, mental nicht, und schon gar nicht verbal. Nein, unsere Kunden nerven. Sie halten uns vom Arbeiten ab. Immer wollen sie etwas, das nervt.

Es tut mir also leid, dass ich einfach so in dieses Café gekommen bin! Sorry. Ich weiss, ich hätte zu Starbucks gehen sollen, wo ich mein Zeugs selber holen muss, das Doppelte hinblättere und wenigstens öffentlich gedemütigt werde, indem ich meinen Namen registrieren lassen muss, der dann laut in den Raum hinausgebellt wird.

Sorry.

Aber einen Kafi hätte ich trotzdem gern. Ich lass auch ganz viel Trinkgeld da. Ehrlich. Und ich störe dann auch nicht mehr. Versprochen.

Dir gefällt vielleicht auch
  • Gerda März 14, 2018 at 8:07 am

    Ja, die Freude am Dienen die gibt es nur ganz selten in der Schweiz – in Östereich wird diese geradezu eine Ehre empfunden.