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Der Heiratsantrag

März 23, 2017

Ich wurde Zeugin eines Heiratsantrags. Echt jetzt. In der Kaffeehalle eines Nobelhotels. Ich kann euch nur empfehlen, solche Lobbys immer wieder mal aufzusuchen, es ist wie im Kino! Immer gibt es was zu sehen, einfach herrlich! Aber zurück zu jenem Nachmittag.

Plötzlich kamen Kellner eifrig an den leeren, reservierten Tisch nebenan und streuten Rosenblätter. Aha! Das war verdächtig. Sie stellten einen noch eingepackten Blumenstrauss hin und einen gekühlten Champagner bereit.

Heiratsantrag, tippte ich. Sieht ganz danach aus, meinte meine Begleitung. Sie fantasierte daraufhin in bester Manier, wie sie die ganze Aktion sprengen könnte, indem sie auf den potenziellen Bräutigam zustürmte und ihn anschrie, er sollte erst mal Unterhalt für den gemeinsamen Sohn bezahlen, bevor er eine Neue heirate. Wir fanden den Gedanken schaurig lustig, bevor wir alles wieder unserem Tratsch unterordneten.

Aber dann kamen sie.

Herausgeputzt mit roten Wangen, alle beide. Sie reagierte gar nicht gross auf das ganze Brimborium mit den Rosenblättern, sondern setzte sich schüchtern und weiterhin lächelnd auf das Sofa, das als Sitzgelegenheit diente. Er daneben, die Hände in den Schoss gefaltet. Ok, dachte ich, kein Antrag. Alles ganz schräg, zugegeben, aber Anträge sehen doch anders aus.

Aber dann  -ja! – rutschte er voll vom Sofa und ging auf die Knie. Voll! Ich hätte so gern Popcorn dabeigehabt! Oder zumindest ein Taschentuch. Aber es blieb mucksmäuschenstill. Sie lächelte unverändert weiter und nickte. War das ein Ja? WAR DAS EIN JA??! Offenbar, denn er holte den Ring hervor. Sie nahm ihn. Fertig. Sie tranken Champagner, sie lächelte schüchtern, genauso wie vorher, er auch. Sie liessen vom Kellner ein Foto von sich machen, beide mit Blumenstrauss, sassen noch ein paar Minuten – und gingen.

Kein Kuss, kein Juchzer, keine Tränen, keine einzige Berührung. NADA!!!

Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das dort in der Hochzeitsnacht abgehen soll… Hallo?! HALLO!!!

Wenn man verrückt genug ist zu heiraten, und das meine ich im positivsten Sinne, darf es doch ein bisschen mehr sein als das, oder?!

Ich weiss nicht, ob es den perfekten Heiratsantrag gibt. Aber ich würde mal keck behaupten, ein bisschen Emotionen wären noch gut. Ich habe damals gejuchzt, geweint, gelacht, mir blieb die Luft weg, und die Brust wollte explodieren, weil so viele Gefühle einfach nicht mehr darin Platz hatten! Hey, hier geht es um die Liebe!!

Also wenn ihr noch plant, dem Menschen, den ihr liebt, diese EINE Frage zu stellen, dann lasst euch gopferteli was einfallen! Nur eine Location auszusuchen reicht nicht! Googelt meinetwegen, wie man das macht, betrinkt euch, tut was – sonst schicke ich euch meine Freundin mit der Alimentengeschichte vorbei!

Bild: Flickr CC by Makena Zayle Gadient

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