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Der Hotelschreck

Juli 14, 2017

Der Gast ist König.

Ich für meinen Teil soll mich auf alle Fälle so aufführen. Sagt mein Mann. Sobald wir in einem Hotel eintreffen und unser Zimmer beziehen, macht er es sich in einer Sitzgelegenheit gemütlich. Die Koffer bleiben unberührt. Er zückt sein Handy und vertieft sich in irgendwas, bis ich endlich fertig bin. Fertig mit meiner Zimmerinspektion.

Es ist nämlich so, dass ich schaurig heikel bin. Aber ich muss mich wohlfühlen, wenn ich schon nicht zuhause bin! Das geht aber nicht, wenn das Zimmer genau aufs Dach der Restaurantküche zeigt. Es geht auch nicht, wenn eine Baustelle daneben steht oder eine Säule den ganzen Ausblick ruiniert. Manchmal reicht es schon, dass das Zimmer sich im ersten Stock befindet und nicht ganz oben.

Ich bin schrecklich, ich weiss, aber wenn das Zimmer mir nicht behagt, kann ich dort nicht bleiben.

Und dann schicke ich meinen Mann, der ein anderes Zimmer verlangen soll.

Selbstverständlich wehrt er sich und tobt, dass er das auf keinen Fall tun würde! Aber ich bestehe darauf. Schliesslich ist er ein Schrank, wenn ihr wisst, was ich meine. Ich bin überzeugt, es macht Eindruck, wenn der Rezeptionist erst von einem Schatten befallen wird, bevor dieser Hüne von einem Mann auftaucht und mit leiser, bedrohlicher Stimme mitteilt, er bräuchte ein anderes Zimmer. Dringend.

Ja, das ist peinlich und ja, das ist unangenehm. Aber das Zimmer, das uns danach jeweils angeboten wird, macht es tausendfach wett. Und dann lächelt auch der Schrank milde und sieht ein, dass es eine gute Idee war.

Mittlerweile sind die Einsätze aber leider etwas spärlicher geworden. Ich bin nämlich schon beim Buchen so pingelig bei der Hotelauswahl geworden, das es nun seit Jahren nicht mehr nötig war. Schade eigentlich.

Ich mochte die Schrankabenteuer und das Überraschungsei, das sich danach öffnete. Es war wie ein Verdienst. Ich der König, der seinen besten Mann in die Schlacht schickt, und danach die Trophäe in den Ferien ausschlachtet.

Ja, der Gast ist König, und das ist gut so! Schöne Ferien!

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