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Die gute, alte Langeweile

August 2, 2017

Wo ist die gute, alte Langeweile hin?

Heutzutage wird jede Sekunde genutzt. Sitzt man mit jemandem am Tisch und der andere geht kurz zur Toilette, zückt man SOFORT das Handy und unterhält sich damit. Daheim läuft die Glotze, der Computer, und das Internet hält uns sowieso rund um die Uhr auf Trab.

Langeweile war gestern.

Kinder werden von früh bis spät bespasst, was mir als Mutter etwas sauer aufstösst. Kaum können sie laufen, geht man in Muki-Turnen, Spielgruppen, fördert sie in frühenglischen Kindergärten und schickt sie zum Klavierunterricht. Ferien werden nur noch in Kinderhotels gebucht, dort wird die Brut rund um die Uhr mit Programm versorgt. Das wählen natürlich nicht die Kinder, das wählen die Eltern. Daheim sorgen sie ebenfalls ständig für Unterhaltung für die Kleinen, natürlich in der besten Absicht. Hauptsache, das Kind langweilt sich nicht. Wieso eigentlich?

Teenager übernehmen unsere Vorlagen und kleben an ihren Handys und Spielkonsolen. Niemand mehr kennt Langeweile!

Aber Langeweile ist wichtig. NICHTS ist wichtig!!

Das Hirn muss mal leerlaufen. Die lauten Stimmen im Kopf müssen mal die Klappe halten! Nur so entstehen neue Dinge, nur so hören wir unsere tiefer verborgenen Gedanken und Stimmungen.

Wir haben verlernt, auf unsere Intuition zu hören. Aber wie können wir auch, wenn wir gar nie an den Punkt gelangen, wo sie durchdringt und spürbar wird?!

Langeweile ist cool. Wenn ich meinen Kids alle technischen Geräte wegnehme (ja, DAS macht die böse, böse Mama immer wieder mal),  japsen sie erst mal wie ein Koi-Karpfen auf dem Trockenen, der demnächst elendiglich eingehen wird. Aber dann, langsam, wenn der Sauerstoff wieder ins Hirn gelangt und das Gemaule aufgehört hat (das kann dauern, da muss die geneigte Mutter etwas Geduld haben), werden sie rege wie kleine Ameisen.

Plötzlich fallen ihnen Dinge ein. Aus der Langeweile heraus entstehen die besten und kreativsten Dinge. Plötzlich höre ich ihr Kichern und staune immer wieder Bauklötze, wozu sie eigentlich fähig sind.

Ich selber bin ja auch schlimm. Auch ich halte die Ruhe schlecht aus. Aber ich übe mich darin, immer mehr. Ich lasse die Musik zuhause, wenn ich joggen gehe, obwohl diese eigentlich auch inspirierend ist. Aber in der Ruhe erlebe ich die Natur anders, ich höre die Vögel, das Plätschern des Wassers, was wieder andere Gedanken hervorholt. Ich sitze manchmal einfach draussen und trinke Kaffee und tue nichts. Schaue einfach in die Welt hinaus.

Langeweile ist eine kurze Sache. Sie ist die Startrampe für neue Ideen. Wir sollten sie hin und wieder einfach zulassen.

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