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Die Sache mit der Schuld

Februar 8, 2017

Vor allem seit ich Mutter bin, hat sich neben all den wunderbaren Erlebnissen auch ein unschönes Gefühl in meinen Emotionsmix geschlichen:

Schuld.

Davor kannte ich dieses Gefühl nicht so. Aber als Mutter bist du auf einmal immer schuld. Ein kleiner Schnupfen? Du hast die Kinder nicht warm genug angezogen! Schiefe Nase? Deine Gene haben das zu verantworten. Selbst wenn die Babykacke nicht schön gelb ist, liegt es an DEINER Milch.

Und so zieht die Schuld immer grössere Kreise, aus der Familie heraus in den Alltag.

Nehmen wir das Beispiel einer Verkehrskontrolle. Egal, dass man keinen Tropfen Alkohol getrunken, sich angegurtet und die 50er Tafel brav beachtet hat: Der Polizist steht da, und schon hat man Herzrasen! Vielleicht hat einer ja unbemerkt Drogen in die Radkappe geschmuggelt?! Oder den Tacho manipuliert!!! Wahrscheinlich ist man schuld, weil man gerade eine Herzraserin ist!

Unlängst hat mich eine ehemalige Schulfreundin gestalkt. Unschöne Sache. Sie hört Stimmen und so… Da ich beim Radio moderiere, hörte sie mich dort vermeintlich Dinge über sie sagen. Sie rief mich dann jeweils an und brüllte in den Hörer, ich solle sofort aufhören, sie öffentlich zu denunzieren! Und überhaupt, ich hätte ja damals den Jugoslawienkrieg ausgelöst, anno 1991!

Eine winzige Sekunde lang überlegte ich tatsächlich: Habe ich damals… nein. Ich glaub, DAS ist jetzt wirklich nicht meine Schuld…. ODER??!

Immer diese Frage nach der Schuld! Sie ist Gift, auch für Beziehungen. Paare streiten sich im Kreis herum, wer nun schuld an der Misere ist, und keiner geht das eigentliche Problem an. So auch im Büro oder in der Schule. Ist ja auch einfach! Wenn man einen Schuldigen gefunden hat, kann man das Problem abschieben und ist selber fein raus. Aber so löst man keine Schwierigkeiten.

Einerseits finde ich es gut und richtig, bei mir selber anzufangen und nicht andere für ungute Situationen verantwortlich zu machen. Es wäre allerdings besser, die Schuldfrage ganz generell hinten anzustellen und sich stattdessen konkret dem Problem zu widmen.

Wer es verursacht hat, ist zweitrangig. Immer. Priorität sollte die Lösung haben.

 

Bild by Del May on Flickr CC

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