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Die Waffe der Huren

März 16, 2017

Wusstet ihr, dass es in der Zürcher Agglomeration ein Etablissement namens Bumsalp gibt?! BUMSALP! Ich mein, überlegt euch mal, wie die Besitzer Brainstorming betrieben haben müssen, um auf diesen Namen zu kommen!!!

Item. Ich war leider noch nicht dort. Leider deswegen, weil Bordelle eine gewisse Faszination auf mich ausüben. Vielleicht gerade deswegen, weil ich noch nie in einem drin war. Striplokale schon, Schaufenster, Strassenstrich, das habe ich wohl gesehen, aber niemals ein Bordell von innen.

So ging es auch einem Freund von mir, der kürzlich in besagter Bumsalp war. Als Schauspieler wollte er sich auf ein Stück vorbereiten, das im Rotlichtmilieu stattfindet, und so ging er zu Recherche-Zwecken dorthin. Er ist schwul, also ja, aus reinen Recherche-Zwecken.

In der Bumsalp (haha, das macht fast schon Spass, das Wort immer wieder zu schreiben!) gibt es neben einem Wellness-Floor eine Anbahnschlaufe. So nennt sich das: die Zone, in der sich etwas zwischen Sex-Arbeiterin und Freier anbahnen sollte. Dort gibt es Getränke und Essen, die Herren setzen sich, und die Frauen kommen zu ihnen an den Tisch.

Mein Freund war freundlich genug, den Damen von Anfang an zu sagen, dass die Zusammenkunft zu keinem Geschäft führen würde und er nur zu Beobachtungszwecken da wäre. Die Frauen setzten sich trotzdem hin und setzten ihr Können ein.

Es sei nicht ihr Körper gewesen oder der unterschwellige Sex. Es sei weder das Aeussere der Frauen gewesen, noch die Umgebung, was ihn plötzlich in den Bann zog. Obwohl er ganz klar Männern zugetan ist, begann er in der Anwesenheit der Hure in Verlegenheit zu geraten.

Diese Frau gab ihm das Gefühl, der schönste Mann der Welt zu sein. In kürzester Zeit fühlte er sich wichtig, ernst genommen, beachtet. Als würde er sie glücklich machen, allein mit seiner Anwesenheit. Und hätte sich sein bestes Stück ebenso einlullen lassen, wäre er tatsächlich mit ihr in einem Zimmer verschwunden. So weit kam es dann doch nicht.

Aber er war fasziniert. Von der Leistung dieser Frau, derartig aufmerksam zu sein, so absolut zugewandt, wie er es noch nie zuvor von jemandem erfahren hat. Als Schauspieler fand er das sehr bemerkenswert, denn es war sensationell gut gemacht und geht nach seiner Meinung nur, wenn jemand sehr viel Kraft und Konzentration da rein steckt. Der Sex hinterher müsse ein Kinderspiel dagegen sein.

Da er nicht auf Sex aus war, fiel ihm diese Aufmerksamkeit natürlich besonders auf.

Wir alle leben in einer Zeit, in der sich die Welt hauptsächlich um uns selber dreht. Wir zeigen auf Social Media unsere Welt, wir beschäftigen uns mit unserem Körper, unserem Essen, unserer Karriere und erwarten für all das Applaus. Aber sind wir bereit, ihn auch zu geben?

Was hält uns davon ab, den Menschen, die wir mögen, auch das Gefühl zu geben, dass dem so ist? Sie wirklich wahrzunehmen, sie zu hören und zu sehen, wie sie wirklich sind? Dazu muss man natürlich einen Schritt zurück machen, damit man dem anderen den entsprechenden Platz geben kann.

Die Kunst der Verführung liegt darin, dem anderen das Gefühl zu geben, grossartig zu sein. Die Huren wissen das. Die anderen sind meistens wahnsinnig damit beschäftigt, den anderen das Gefühl geben zu wollen, man selbst sei grossartig. Eigentlich ein unkluger Schachzug, wenn man auf Verführung aus ist.

Jeder kennt das: Sobald man weiss, dass jemand einen gut findet, kann man nicht anders, als ihn zu mögen. Den Fake durchschaut man schnell, aber einem Könner seines Fachs liegen die Leute zu Füssen. Jeder ist hungrig nach dem guten Gefühl, geliebt und wichtig genommen zu werden. Die Huren wissen das…

Flickr cc thais silvestre

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