Life Fashion Beauty Places Men Fun
Life

Nette Menschen

Dezember 29, 2016

Es gibt sie noch, die netten Menschen.

Sie lassen einen an der Kasse vor, rufen hinterher, wenn man seine Brieftasche vergessen hat oder heben auf, was du soeben hast fallen lassen. Sie lachen dich im Tram grundlos an und machen dir im Vorbeigehen ein Kompliment über deinen Mantel.

Die netten Menschen im Bekanntenkreis stehen auf der Matte und nehmen dir die Kinder ab, damit du auch mal ausgehst. Sie wissen, dass du Lindorkugeln magst und bringen sie dir einfach so vorbei. Sie rufen an, weil sie wissen, dass du eine schwierige Zeit hast und sind einfach aufrichtig daran interessiert, dass es dir gut geht.

Meistens sind diese Menschen einfach so. Man erkennt sie oft auf den ersten Blick, weil ihre Herzlichkeit durchscheint und sie diese Fremden, wie auch Freunden gleichermassen zur Verfügung stellen. Einfach so. Sie haben kein Eigeninteresse, sie sind nett, weil sie Menschenfreunde sind.

Der Nettigkeit wird leider oft Schwäche angedichtet, was ich für einen kompletten Schwachsinn halte. Nettigkeit ist auch nicht (nur) eine Erziehungsfrage oder Genmaterial – Nettigkeit ist eine Entscheidungsfrage.

Ich halte nichts von diesen „nur-die-Harten-kommen-in‘-Garten“-Methoden. Kurzfristig mag es durchaus so scheinen, dass die netten Menschen unter die Räder kommen, aber langfristig wird es sich immer bezahlt machen, und sei es nur drum, dass man sich jeden Tag mit bestem Gewissen im Spiegel anschauen kann.

Viel zu oft wird an irgendwelchen Prinzipien festgehalten, bei denen man sich selbst der Nächste ist und der Rest der Welt keine Rolle spielt. Oder man ist derart misstrauisch, dass es in den eigenen Augen kein anderer verdient hat, mit Freundlichkeit bedacht zu werden.

Das ist mehr als schade. Denn die Freundlichkeit hat den wunderbaren Effekt, dass sie reflektiert wird und einen selber wieder trifft.

Gerade in Konfliktsituationen hilft eine Angriffs-Stellung gar keinem. Man muss schon positiv an Probleme rangehen, wenn man sie tatsächlich lösen will. Und dazu muss man dem anderen zeigen, dass man ihm nichts Böses will. Das ist in der Evolution begründet, sogar Babies erkennen nach oben gezogene Mundwinkel ihres Gegenübers, was ihnen Sicherheit signalisiert.

Nettigkeit tut gut. Allen. Und es ist nicht schwierig. Bloss eine Entscheidung.

Dir gefällt vielleicht auch
  • Claudia Dezember 29, 2016 at 8:07 am

    Wie recht du doch hast… Glaub ich gehöre auch zu diesen Menschen… Meine freunde nennen mich immer Gutmensch. Das hat aber nicht nur damit zu tun, wie ich handle und immer für alle da bin, das hat auch oft damit zu tun wie ich denke… Wir waren im Sommer in Kenya in den Ferien… Während meine Freunde alle schwarz/weiss Päärchen als Sextouristen abstempfelten, war ich bei einigen überzeugt, dass der Typ der Pfleger ist 🙂 Na ja knapp daneben war auch vorbei 🙂 Lustig wars denoch. Hab einen tollen Tag

  • Elisabeth Dezember 29, 2016 at 1:29 pm

    Liebe Tamara – Du triffst das gut. Ich gehöre auch zu der Kategorie immer freundlich, hilfsbereit und nett. Da s liegt so in meiner Natur und vielleicht auch ein wenig im wienerischen. Man hilft sich usw. Aber trotzdem muss ich sagen, dass ich manchmal glaube ich bin zu nett und auch die Erfahrung mache, dass oft wenig bis gar nichts retour kommt. Das irritiert mich. Wenn Du zwei Wochen den Rasen des Nachbarn giesst oder drei Wochen die Katze fütterst. und dann hast Du eine Bitte und es heisst. Sorry! Das Freundlichkeit den wunderbaren Effekt hat, dass sie reflektiert wird und einen selber wieder trifft stimmt schon, aber auch oft nicht. Viele sind ewige NEHMER. wie geht man mit denen um? Liebe Grüsse Elisabeth

    • Tamara Cantieni Dezember 30, 2016 at 1:57 pm

      Liebe Elisabeth, ich für meinen Teil behandle die Menschen mit Anstand und Freundlichkeit. Mein Geben ist allerdings auch beschränkt. Ich mache es 15 Mal nacheinander, gerne, und wenn nie etwas (von den gleichen) zurückkommt, höre ich damit auf. Aber ich gebe mir Mühe, die Menschen immer freundlich zu behandeln. Nett sein hat nicht unbedingt mit Geben zu tun. Nett sein ist in meinen Augen ein Verhalten, das man grundsätzlich an den Tag legt.

  • Dario Dezember 30, 2016 at 8:47 am

    Hoi Tamara, interessanter Artikel. Ich finde bei diesen netten Menschen noch wichtig zu erwähnen, das es auch hier noch Unterschiede gibt.
    – Gebe ich weil ich wirklich Freude daran habe etwas gegeben zu haben
    – Gebe ich weil ich erwarte das was zurückkommt?
    – Gebe ich ohne darüber nachzudenken?
    Ich für meinen Teil habe oft festgestellt, dass es nichts Schöneres gibt jemanden in irgend einer Form zu beschenken und es wirklich ein Hochgefühl bei mir auslöst. Manchmal scheint es gar das ich mich mehr über die Freude des/der Beschenkten freue, als der/die Beschenkte selbst. Erwartungen hingegen hege ich in keinster Weise. Wenn mal was zurückkommt freu ich mich um so mehr darüber, wenn nicht bemerke ich es gar nicht.
    Nett sein bedeutet ein gewisses Mass an Selbstlosigkeit tief in sich verankert zu haben. Eigenschaften wie Neid und Gier haben dabei keinen Platz. Aber wie schwierig ist es für einen jungen Menschen heutzutage nicht von diesen Schwächen wie Neid und Gier geprägt zu werden? All dieser Konsumzwang, der Druck besser, schöner und gleichzeitig auch beliebter als Dein Gegenüber zu sein?! Bei wem diese Dinge nur eine untergordnete Rolle spielen, der hat kein Problem wirklich nett zu sein.