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Oberflächlich

September 27, 2016

Das ist das Adjektiv der Stunde: Oberflächlich. Ich höre es immer wieder.

Die Gesellschaft, die Fernsehsendungen, die Models, die Szene, die Menschen: Alle sind oberflächlich.

Es geht nur ums Geld, um Äusserlichkeiten, um Erfolg, um Sehen und Gesehen werden.

Facebook ist oberflächlich, die Jugend sowieso, Snapchat total. Freundschaften sind oberflächlich, die Amis, Promis, Handys, Tinder, Blogs und Youporn.

Was ist das nur für eine oberflächliche Welt?!

Aber natürlich ist das keiner selbst, es sind immer nur die anderen.

Oder gibt es irgendeinen Mensch auf dieser Welt, der sich selbst als oberflächlich bezeichnen würde? Wohl kaum. Haben wir wirklich das Gefühl, andere Menschen hätten keinen Tiefgang? Keine Fragen zum Leben, keine Unsicherheiten, keine Ängste, keine Seelenschätze? Glauben einige wirklich, dass nur sie etwas Besonderes sind?

Wir müssen nicht zu jedem Zeitpunkt alles miteinander teilen. Das macht uns noch lange nicht zu oberflächlichen Menschen. Wir bestimmen selbst, wieviel wir von uns zeigen wollen. Wir sehen nun mal nicht hinter die Fassade, aber es sollte uns ja eigentlich allen klar sein, dass bei jedem Menschen viel dahinter steckt.

Wir leben nicht in einer oberflächlichen Welt. Wir leben in einer schnellen Welt. Leider. Eine, die manchmal zu wenig Zeit zulässt, zu viel auf einmal will, so dass sie nur kleine Happen hergibt, dafür von Vielem.

Oberflächlichkeit ist nur ein Modus. Jeder Mensch kann auch anders. Und wenn man wirklich will, dann kann man gut unter die Oberfläche schauen. Man muss einfach nur den Anfang machen und bei sich selbst etwas tiefer blicken lassen. Aber offenbar scheuen die meisten eine schnelle Verbundenheit mit Fremden.

Ich weiss noch, wie ich eine meiner besten Freundinnen kennengelernt habe. Wir trafen uns das erste Mal zu Proben für ein Theaterstück. Nach der Leseprobe gingen wir zum Bus, dann starrte sie mich paralysiert an und sagte: „Ich glaube, mein Freund hat jetzt grad per SMS mit mir Schluss gemacht.“ Meine Antwort waren Drinks in einer Bar und unsere Freundschaft begann von 0 auf 100.

Wer die Oberflächlichkeit also scheut, der muss bereit sein, tiefe Sprünge zu machen.

Bild Flickr CC by Deborah is lola

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