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Oktoberfest? Nein danke.

September 18, 2017

Ich war beim Bäcker Frühstück holen, da schlugen mir Brezel und bayrische Fahnen um die Ohren, ganz zu schweigen von den Möpsen der Backwarenverkäuferinnen, die zur Feier des Tages im Dirndl hinter der Theke standen.

Später begegneten mir in der Stadt Lederhosen, und von unzähligen Plakaten buhlten diverse Oktoberfeste um meine Aufmerksamkeit.

Oktoberfest im Bahnhof, Oktoberfest im Bauschänzli, Oktoberfest in der Agglo, Oktoberfest im Restaurant Ochsen, Löwen, Sternen und wie sie alle heissen. Oktoberfest, Oktoberfest, und das mitten im September.

Sagt mal, hab ich was verpasst?

Hat München uns annektiert? Sind wir Partnerstadt geworden? Gehören wir neu zu Bayern? Oder sind wirklich plötzlich alle Schweizer scharf auf Zelte, Schürzenjäger und Bier im Mass, bzw. Masslosigkeit? Es ist ja nicht mal mehr ein Hype, sondern gehört jetzt fest zu uns dazu wie Halloween oder der Samichlaus.

Versteht mich nicht falsch, ich war auch schon am Oktoberfest. DEM Oktoberfest in München, und das, obwohl ich kein Bier mag. Aber ja, auch dafür gibt es Lösungen. Und nochmals ja, es war sogar ganz amüsant.

Trotzdem läuft die ganze Oktoberfesterei für mich in der Kategorie Fasnacht: Die Leute verkleiden sich, lassen sich volllaufen, und damit entschuldigt lassen sie tüchtig die Sau raus. Kann man machen.

Klar, geht und setzt euch auf Festbänke mit Plastiktischtüchern. Esst fettige Hähnchen und trockene Brezel, und schüttet eine Blumenvase mit Bier in den Schlund. Schunkelt zu Helene Fischer (wenn ihr Glück habt) und DJ Anton aus Tirol (wenn ihre es sowieso nicht mehr merkt). Klar, macht nur. Lieber ihr als ich.

Ich verstehe es eben nicht. Es liegt an mir. Ich mag das Essen nicht, und Bier schon gar nicht. Ich mag die Musik nicht, und es ist mir in diesen Hallen zu laut. Schunkeln finde ich die Hölle, und wenn dann die Hälfte der Anwesenden besoffen in den Ausschnitt des Gegenübers kippt, wird es mir zu bunt.

Ich dachte vor ein paar Jahren, der Trend würde sich bald verflüchtigen. Aber nein, das Oktoberfest hat nach der saisonalen Aufenthaltsbewilligung nun offenbar die Einbürgerung beantragt. Gut fürs Geschäft. Denn das machen natürlich alle damit. Man verkauft überall Dirndl, Brezel, Würste, Dekos, und was halt so dazugehört. Denn das Oktoberfest feiern wir, weil… weil.. weil wir es eben können.

Ich will aber nicht nur stänkern. Es hat ja durchaus auch sein Schönes. Schön ist der Look! Ich finde, so ein Dirndl steht jeder Frau, jeder! Den Dünnen zaubert es Kurven und bringt Bewegung ins flachste Tal, wenn ihr wisst was ich meine. Den runden Frauen schaffte es eine Taille und rückt alle Vorzüge ins beste Licht. Dirndl sind entzückend und weiblich. Und Männer sehen in Lederhosen ebenfalls recht knackig aus.

Für mich allerdings lieber aus der Ferne. Gottlob ist bald Oktober, dann ist der Spuk vorbei und wir feiern das Novemberfest.

 

Bild: Flickr CC by Diego Wyllie

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