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Wie pünktlich muss man sein?

Mai 3, 2017

Pünktlichkeit ist eine schweizer Tugend. Kein anderes Land lässt seine Züge so gewiss zur vorgegebenen Minute abfahren wie die Schweiz. Sogar die Strassenbahnen halten sich weitgehend an den Minutenfahrplan!

Und die Schweizer? Wir sind ein pünktliches Volk! Bei der Arbeit sowieso. Aber auch privat. Wenn wir uns um 19 Uhr verabreden, sind wir um 19 h auch da. Meistens.

Es gibt Menschen, die brodeln innerlich, wenn andere auch nur eine einzige Minute zu spät kommen.

Dann gibt es diejenigen, die bis zu 15 Minuten Wartezeit in Kauf nehmen ohne zu Maulen.

Bei den meisten hört die Toleranz, ohne Meldung eines Grundes natürlich,bei 30 Minuten gänzlich auf.

Und dann gibt es auch noch wenige Leute, vor denen fürchte ich mich persönlich, die ständig zu früh sind! Gerade bei Besuchen daheim ist es doch sehr speziell, wenn man als Gastgeber mit nassen Haaren und im Duschtuch eingewickelt die Türe öffnet, um verfrühte Gäste zu empfangen.

Ist es respektlos, sich nicht an die vorgegebene Zeit zu halten? Oder ist es intolerant, dem anderen nicht ein paar zusätzliche Minuten zu gönnen, damit er nicht in Stress gerät?

Im Berufsleben nehmen sich selbst chronische Zuspätkommer diese Freiheit nicht heraus. Bei einem Vorstellungsgespräch werden sie die 15 Toleranzminuten wohl eher nicht einfordern. Ist ein Vorgesetzter wichtiger? Oder braucht es erst Freundschaft und Vertrauen für Toleranz?

Laut einer Umfrage stört es 2/3 der Schweizer, wenn Verabredungen nicht pünktlich eingehalten werden. Wenn ich Leute frage, was sie beim Warten auf den anderen so wütend macht, kommt eigentlich meistens die gleiche Antwort: Fehlender Respekt.

Leute, die sich Mühe geben und sich organisieren, damit sie die abgemachte Zeit pünktlich einhalten, werden von denjenigen, die es nicht schaffen, als Bünzli betitelt. Das ist nicht fair.

Und die Leute, die sich selbst beim besten Willen stets mit ein paar Minuten Verspätung einfinden, werden von den Pünktlichen als respektlos und unzuverlässig betitelt. Das ist ebenfalls nicht fair.

Seit wir jederzeit erreichbar sind, nehmen wir es mit der Pünktlichkeit nicht mehr so genau. Man kann ja kurz eine Nachricht schicken, dass man ein paar Minuten später kommt. Das aber ändert nichts an der Tatsache, dass die Verabredung auf einen warten muss.

Warten ist natürlich keine Folter, es gibt Schlimmeres. Man kann beim Warten durchaus Spass haben. Aber ist es nötig? Wozu macht man Termine und Uhrzeiten aus, wenn man sie dann nicht einhält?

Ich selber bin entspannt, wenn es um ein paar Minuten geht. Aber ich kann meine Empfindungen nicht automatisch anderen Menschen aufdrücken. Wir müssen reden. Auch beim Verab-Reden.

Zeit ist ein kostbares Gut. Wenn wir sie einander schenken, sollten wir achtsam damit umgehen.

Bild Flickr CC Rene van Haeften

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