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Sex hoch 10

Februar 17, 2017

Ich weiss, es ist unheimlich cool und lässig und souverän zu sagen: Ich habe Sex wie ein Karnickel.

Darum wird bei all diesen Umfragen, wer wieviel Sex hat, gelogen, dass sich die Balken biegen. Denn wer es nicht meisterlich macht, ist unten durch.

Frauen, die nicht ständig Sex haben, sind prüde oder verklemmt oder nicht begehrenswert oder immer noch nicht befreit.

Männer, die nicht ständig Sex haben, sind Waschlappen, die sich von Frauen unterbuttern lassen oder es ihnen einfach nicht richtig besorgen können.

Je mehr man nach aussen Sex hat, umso höher scheint das Ansehen. Also tun die meisten einfach so als ob, und schämen sich heimlich, dass sie nach etlichen Ehejahren nicht mehr mehrfach täglich den ehelichen Pflichten nachgehen.

Sex ist schön. Gut. Gesund. Und, wie alles im Leben, im gesunden Mass am Allerbesten. Und das bedeutet für jeden etwas anderes. Sein Mass muss man selber herausfinden, vorzugsweise im Kompromiss mit dem Partner. Das Mass der Dinge ist aber sicherlich nicht der Tenor, der da draussen herrscht.

Sex ist ein Grundbedürfnis und ein Urtrieb. Aber unsere Gesellschaft hat viel mehr daraus gemacht.

Sex ist überall, er wird verkauft, schreit uns von Plakaten und aus dem Internet entgegen, und wir übernehmen ihn schleichend in unseren Alltag. Im Fitness-Studio kommen sie bald in Reizwäsche trainieren. Und in den Clubs wird nicht einfach nur getanzt, da schwingen einige ihr Becken, als würden sie zum Pornocasting antraben. Gut ist geil, in der Freude werden wir spitz, sogar das Essen ist mittlerweile zum Foodporn mutiert! Alles ist sexy, geil, scharf, heiss.

Versteht mich richtig: Ich liebe Sex. Aber ich weigere mich, ihn als oberste Priorität und Dringlichkeitsstufe Nr. 1 zu sehen, weit über mein Schlafzimmer hinaus. Vor allem aber weigere ich mich, der Welt da draussen beweisen zu müssen, dass ich total dabei bin, weil ich ein extrem aktives Sexleben habe. Das ist doch lächerlich!

Ich mag auch die Prahlerei nicht hören. Es macht niemanden besser oder schlechter, wenn er seine Triebe viel oder wenig auslebt. Und es ist albern, dass man sich hinterfragt oder gar schämt, weil man das Gefühl hat, man könnte zu wenig Sex haben. Das ist doch kein Barometer für die Liebe, meine Damen und Herren!

Natürlich verbindet Sexualität ein Paar, dadurch werden Bindungshormone ausgeschüttet und die Intimität genährt. Logisch ist sie ein wichtiger Bestandteil einer Beziehung, aber die Häufigkeit ist nicht der Gradmesser für die Qualität der Liebe.

Entspannt euch, geniesst es, es ist einfach Sex. Nicht mehr, und nicht weniger.

Bild Flickr CC by Federico Boni

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