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Sexy? Pfui!

September 8, 2017
Ich weiss nicht, wann es geschehen ist, aber irgendwann verkam „sexy“, das Wort, das oft für attraktive Frauen benutzt wird, zum Schimpfwort.
Sexy ist billig, sexy ist niveaulos, sexy ist dumm und sexy ist unterwürfig.
Der Busen gehört gut eingepackt und der Rock endet spätestens beim Knie, wenn es noch Stil haben soll.
Schultern dürfen wir zeigen, diese Saison. Mit Cut Outs sollen wir kleine Einblicke in sonst versteckte Partien unseres Körpers geben, aber bitte nur kleine! Denn die Dame von heute weiss, was sich gehört und hält sich bedeckt.
Sexy ist natürlich nicht nur Haut. Sexy ist auch Verhalten. Und Frauen sollen sich nicht sexy aufführen. Das ist devot, nur den Männern gefällig, schwach, dumm, billig. Eine Frau, die sich Respekt verschaffen will, haut auf den Tisch. Sie trägt Boyfriend-Jeans und Bomberjacke, sagt der Modetrend. Lederjacken. Sneakers. Latschen. Eine Frau, die männlich-herb durch die Welt schlendert, ist nämlich cool.
Schon kleine Mädels, die Fussball spielen und Baggy Jeans tragen sind cool. Ein Junge, der rosa Sachen anzieht und Ballett tanzen will, ist leicht gestört und/oder auf dem besten Weg, schwul zu werden. So die Tendenz in der Gesellschaft.
Versteht mich nicht falsch, ich mag diese Lässigkeit, die die Geschlechter verwischt. Ich mag nur nicht, dass dies auf Kosten der Weiblichkeit geht. Ich weiss nicht, ob es die Designer sind, die weiterhin ihren androgynen Typ propagieren und deswegen schon einen grossen Teil Weiblichkeit aus der Modewelt nehmen. Oder ist es die Gesellschaft, die inzwischen beim ganzen Geschlechterausgleich auf eine Seite ausschlägt?
Sexy klingt nach Rotlicht, oder wird damit gleichgesetzt. Ich setze sexy aber gleich mit Sinnlichkeit. Wieso scheint es wie ein Verrat an der Emanzipation, wenn man seine weibliche Seite zur Geltung bringt?
Wenn eine Frau in der Geschäftswelt ernstgenommen werden will, zeigt sie keine Haut. Erst kürzlich entbrannte eine heftige Diskussion über eine Lehrerin, die sich privat auf Instagram in Bikinis zeigt und damit bei der Schulleitung in Ungnade fiel. Wieso? Was hat sie falsch gemacht? Wieso sind wir mit dem Körper so unfrei – namentlich mit dem weiblichen Körper??
Sexyness reduziert die Frauen auf ihre optischen Reize. Und weil die meisten von uns natürlich ernst genommen werden wollen, vermeiden sie es tunlichst. Und wieder sind wir Frauen nicht frei, sondern ordnen uns und unser Aussehen der Gesellschaft und der gängigen Meinung unter.
Diverse Studien haben übrigens ergeben, dass Männer Frauen dann als sexy einstufen, wenn sie sie als selbstbewusst und offen wahrnehmen. Falls es irgendwen interessiert. Denn ich bin ja der Meinung, das es vor allem für sich selbst ein grossartiges Gefühl ist, wenn man sich weiblich und schön fühlt.
Sexyness bedeutet nicht kurze Röcke und tiefe Ausschnitte. Sexyness bedeutet, dass man gerne eine Frau ist und sich der Unterschiede, auch der optischen, zu den Männern bewusst ist und sie gekonnt in Szene setzt.
Sexy bleibt trotzdem verpönt. Es braucht ein starkes Stück Selbstbewusstsein, um sich darüber hinwegzusetzen. Ich wünsche uns Frauen, dass wir es aufbringen können. Denn es fühlt sich gut an, sich seiner Reize bewusst zu sein und sie als etwas Positives zu positionieren.
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