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Streitkultur

Februar 10, 2017

Wo Menschen mehr oder weniger eng miteinander zu tun haben, gibt es irgendwann auch unvermeidbar Streit. In der Familie, im Büro, im Haus, im Freundeskreis und selbstverständlich vor allem in der Beziehung.

Wenn wir Streit durch Meinungsverschiedenheit ersetzten, ist das an und für sich gar nichts Schlimmes. Schlimm ist oft nur die Art und Weise.

Ich bin der Meinung, dass selbst in der grössten Hitze des Gefechts (eigentlich GERADE in der grössten Hitze des Gefechts), keine beleidigenden und derben Ausdrücke fallen dürfen.

Worte haben eine nicht zu unterschätzende Macht. Sie haben die Kraft zu verletzen und nachzuhallen. Worte reissen Wunden, die so schnell nicht heilen und sich im Kopf des anderen festsetzen. Wenn wir also in Rage sind, sollten wir immer noch das Mindestmass an Anstand wahren, davon lasse ich mich nicht abbringen.

Sobald man verbal um sich schlägt, ist man komplett auf dem falschen Weg. An diesem Punkt ist jegliche Auseinandersetzung nur noch kontraproduktiv. Und nein, du fühlst dich nicht besser, wenn du deine Wut herauskotzt. Jedenfalls nicht am anderen. Bist du schon so weit, dass die Pferde mit dir durchgehen, dann zieh dich zurück. Beruhige dich, und nimm später einen neuen Anlauf, die Situation zu klären.

Der grösste Fehler beim Streiten liegt wohl darin, dass man dem anderen aufzeigen will, was er falsch gemacht hat. Leider bringt das aber niemandem was. Da wir alle sehr unterschiedliche Wahrnehmungen haben, ist es ziemlich aussichtslos, seine Wahrheit jemand anderem aufzwingen zu wollen.

Es sollte vielmehr darum gehen, was man in Zukunft anders machen möchte.

Hat dein Mann dich verletzt, weil er dich an der Party kaum beachtet hat? Dann sag ihm, dass du mehr mit ihm zusammen sein möchtest. Klingt doch ganz anders als „du warst NIE da, du hast NUR mit den andern gesprochen, ich bin dir TOTAL egal“. Gibt deine Freundin zuviel Geld aus? Dann lege ein Budget fest. Betüttelt dich deine Mutter immer noch, obwohl du 48 bist? Sag ihr, dass du dir wünschst, dass sie dich als erwachsenen Menschen behandelt. Frag sie, ob sie das kann.

Was ich sagen will: Es ist viel einfacher, Wünsche an den anderen zu richten, als ihn zu verurteilen. Auf einen Wunsch kann jeder reagieren, auf Vorwürfe nicht. Man kann doch klare Absprachen treffen. Ihr erinnert euch? Wie wollen wir das machen?

Wenn man dem Wunsch des anderen nicht 100%ig entsprechen kann, sucht man eben Kompromisse, die für beide stimmen. Aber die Konzentration sollte auf dem Weg nach vorne liegen. Die Situation, die schiefgelaufen ist, wieder und wieder aufzurollen, holt nur Verletzungen hervor und blockiert.

Streiten kann gut sein. Wünsche aneinander zu formulieren kann genial sein, auch ohne Streit. Und es geht explizit ums Wünschen, nicht ums Einfordern. Fragt, ob euer Gegenüber euch euren Wunsch erfüllen kann. Dann wird ein Streit plötzlich ein Plan, wie man einander Gutes tun kann, und darum sollte es doch letztlich in jeder Beziehung gehen.

(Bildquelle: Flickr CC )

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  • Gerda Februar 10, 2017 at 2:27 pm

    Kompliment !
    So wie Du es beschrieben hast sollte es für alle einleuchtend sein 🙂