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Trinkgeld

Dezember 10, 2018

Ihr kennt das: Man hat gut gegessen, die Rechnung kommt, und schon stellt sich die Frage, wieviel Trinkgeld gibt man der Kellnerin?

Sie war ok. Nichts Besonderes, sie hat einfach ihren Job gemacht. Einer in der Runde meint, 10 % sollten es immer sein. Aber bei Zürcher Preisen sind das ab 4 Personen rasch mal 50 Franken. Wenn das alle Tische im Restaurant so machen würden, hätte die gute Frau mehr verdient, als ihr Arbeitgeber ihr bezahlt.

Versteht mich nicht falsch, ich gebe ja Trinkgeld, und zwar gerne. Dann, wenn ich mit der Bedienung happy bin, und das ist der Fall, wenn der Service gut war. Die Höhe mache ich davon abhängig, wie gut er war. Gut im Sinne von freundlich, aufmerksam, schnell, unauffällig, sympathisch. Aber ich merke auch, dass ich mich eigentlich immer dazu gedrängt fühle, etwas zu geben, auch wenn der Service einfach nur ok war.

Bei Kreuzfahrten zum Beispiel bezahlt man im Voraus 10 Euro Trinkgeld, und zwar pro Passagier und Tag! Jedes Kind (!) bezahlt 5 Euro, so hat eine vierköpfige Familie nach einer Woche 210 Euro hinzublättern. Hallo??! WARUM?? Das Personal bekommt doch einen Lohn!

Und das ist auch im Restaurant so. Der Kellner holt die Bestellung und bringt das Essen von der Küche auf den Tisch. Das ist sein oder ihr Job, und dafür gibt es eine angemessene Entlöhnung.  Wir haben in der Schweiz mal darüber abgestimmt, dass das Trinkgeld nicht Bestandteil vom Lohn sein soll, sondern dass die Bedienung voll und adäquat vom Wirt bezahlt werden muss. Trotzdem bezahlen wir alle für das sonst schon teure Essen in Form von Trinkgeld drauf, und wer es nicht tut, ist automatisch sauer und unzufrieden und sehr unfreundlich.

Früher, im 16. Jahrhundert, gab es in englischen Gaststätten Schalen mit der Aufschrift „to insure promptitude“. Wenn die Leute vorab Münzen hineingeworfen haben, erhielten sie eine spezielle VIP Behandlung. Von dieser Aufschrift soll sich das heutige englische „tip“ ableiten.

Also war der Ursprung vom Trinkgeld eine kleine Bestechung. Und das wäre eigentlich auch heute noch der Grundgedanke, nicht? Einfach im Nachhinein und als Ansporn für das nächste Mal. Kochen kann ich ja selber recht ordentlich, aber ich liebe es, wie die meisten, von Zeit zu Zeit in einem guten Restaurant umsorgt und verwöhnt zu werden.

Vielleicht verstehe ich aber auch einfach das Prinzip vom Trinkgeld nicht. Bis anhin dachte ich, das sei ein kleines Dankeschön. Ein Zeichen, dass ich mit der Dienstleistung zufrieden bin.

In Zürich gibt es doch einige Restaurants und Bars, wo einen geradezu unfreundliche Menschen bedienen. Oder Gleichgültige, was auch nicht viel besser ist. Mein Trinkgeld soll freiwillig sein, und hoffentlich sogar helfen, dass sich Leute in diesem Beruf etwas mehr Mühe geben. Dabei geht es ja nicht um das Geld an sich, sondern dass man eine Möglichkeit hat, seine Wertschätzung für eine besondere Behandlung zeigen zu können.

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