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Übermutter

April 5, 2017

Melanie war immer ein guter Kumpel. Man konnte mit ihr in Bars gehen, sie anrufen bei Sorgen, sie war immer dabei, wenn man einen Plan in die Tat umsetzen wollte. Ihr Freund war ein lockerer Typ, mal kam er mit, mal liess er sie mit ihren Freundinnen ziehen. Ein normales, cooles Pärchen, die beiden.

Nach einigen Jahren heirateten sie. Jö. Und sie wurde schwanger. Zweimal. Seither gibt es Melanie nicht mehr. Es gibt nur noch diese Mutter, die sie geworden ist.

Sie hält besser als die öffentliche Bahn den Fahrplan ein, wenn es um Mittagsschlaf, Fütterung der Raubtiere und Schlafenszeit geht. Kaffee am Nachmittag geht nicht, wegen dem Mittagsschläfchen. Um 7 gehen die Kinder ins Bett, und diese Zeit wird eingehalten. Immer. Und nur sie kann sie ins Bett bringen. Sonst schlafen sie nicht. So ist jedenfalls ihre Überzeugung.

Jeder 3. Satz von ihr beginnt mit dem Vornamen eines ihrer Kinder. Und man kann kein Telefonat mit ihr führen, ohne dass sie ebendiese Vornamen alle 2 Minuten im Gespräch herausbrüllt, weil ein Kind nicht tut was es sollte.

Sie meldet sich mit den Namen ihrer Kinder auf dem Anrufbeantworter, ihr Briefkasten ist mit den Kindernamen beschriftet, und selbstverständlich prangen Namenskleber auf ihrem Auto. Sie meldet sich kaum mehr. Sie hat keine Zeit und kein Interesse an der Welt ausserhalb.

Ich verstehe sie gut. Sie will die beste Mutter der Welt sein. Ich bin auch Mutter, und auch ich will darin die beste sein. Ich würde alles für meine Kinder tun. Ausser mich aufgeben. Denn das wäre nicht für, sondern gegen meine Kinder.

Die beste Mutter der Welt ist man nicht in der Funktion als Mutter, sondern in der Funktion als Mensch. Davon bin ich überzeugt.

Ein Kind schaut sich von euch Dinge ab, von denen ihr nicht mal wusstet, dass ihr sie tut und sie euch innewohnen! Erziehung ist nichts Bewusstes. Es ist das Vorleben als Ganzes.

Euer Kind braucht die grösstmögliche Normalität. Es braucht natürlich eine Mutter, die es liebt und für es sorgt. Diese Mutter ist aber auch eine Frau, eine Freundin, eine Arbeiterin und eine Partnerin. Euer Blick nach Aussen hilft auch den Kindern, die Welt da draussen zu erfahren.

Es tut EUCH gut, euren Partnern sowieso und am allermeisten euren Kindern, wenn ihr ganz fest euch selbst bleibt. Manchmal hege ich den Verdacht, dass vielleicht genau das einige nicht wollen. Sich selbst bleiben. Aber eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Leben durch das Muttersein zudecken zu wollen, ist ein sinnloses Unterfangen und wird sich früher oder später rächen.

Es ist ein genereller Anstoss, nicht nur für Mütter:

Ihr werdet geliebt für was ihr SEID, und nicht für was ihr MACHT!

Vergesst das nicht.

Foto Flickr CC by Caroline Macaya

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