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Wer hat Angst vor der starken Frau?

November 15, 2016

Anna ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, Mitte 30, selbständig, attraktiv und Single.

Glückliche Single, wie sie sagt, und ich glaube ihr jedes Wort. Sie kommt durch ihren Job viel herum, ist immer unterwegs und arbeitet rund um die Uhr. Auf Facebook sehe ich sie an den schönsten Orten der Welt, unterwegs mit ihren Freundinnen und ja, ich glaube ihr, dass es ihr an nichts fehlt und sie so glücklich ist, wie sie es sich eingerichtet hat.

Sie ist allerdings nicht Single aus Überzeugung. Ein Mann an ihrer Seite wäre schon toll, findet sie. Es ist kein Problem, dass er noch nicht in ihr Leben getreten ist, aber es beunruhigt sie schon ein bisschen, dass ihre Dates irgendwie immer ins Leere laufen.

Sex wollen die Herren schon. Danach sind sie aber doch nicht bereit für eine Beziehung, falls sie überhaupt mit der Sprache herausrücken. Die meisten verschwinden einfach, deswegen geht sie nicht mehr so oft nach einem Date mit zu ihm nach Hause. Und damit hat sich ihre sexuelle Aktivität ziemlich reduziert.

Sie macht den Männern eben Angst, sagen ihre Freundinnen. So eine starke Frau, das wollen die doch gar nicht zuhause haben! Männer wollen ein kleines Reh, das mit grossen Augen bewundernd zu ihnen aufschaut und mit dem sie sich überlegen und wichtig fühlen können.

Ich denke nicht so. Ich halte mehr von den Männern. Es gibt sehr viele ebenso „starke“, kluge Jungs, die einer Partnerin auf Augenhöhe begegnen wollen. Mehr noch: Sie wollen gefordert werden und begeistert, sie wollen von ihrer Liebsten lernen und stolz auf sie sein können.

Nein, ich glaube nicht, dass Männer Angst vor starken Frauen haben.

Aber ist gibt ein Problem mit diesen „starken“ Frauen (ich mag ja dieses Adjektiv im Zusammenhang mit unserem Geschlecht überhaupt nicht, ausser sie hebt 120 Kilo mit dem linken Zeigefinger): Sie zeigen den Männern oftmals nicht, dass sie sie toll finden.

Ich weiss nicht, ob es daran liegt, dass diese Frauen sich selber schon so gut finden oder an der Angst, sie könnten damit Schwäche zeigen. Vielleicht glauben einige Frauen, sie würden uninteressant werden, wenn sie dem Mann zeigen, dass sie ihn wollen. Oder zurückgewiesen. Was auch immer sie zurückhält, es ist hinderlich. Denn für einen erfolgreichen Flirt braucht es vor allem eins: Interesse am Anderen, und das sollte der vorzugsweise auch merken.

Das ist natürlich eine grundlegende Geschichte und geht Frauen wie Männer gleichermassen an. Aber ich beobachte, dass Frauen sich mit Offenheit schwerer tun. Bei den Männern kommt das, wohl hauptsächlich aus sexuellem Interesse heraus, relativ deutlich rüber. Frauen hingegen halten mehr hinter dem Berg. Nicht nur mit ihren Gefühlen, sondern auch mit ihrem Interesse.

Wer niemanden braucht, der wird auch niemandem das Gefühl geben können, dass er einen Platz in seinem Leben bekommt. Und brauchen heisst ja nicht, dass man ohne ihn nicht klarkommt. Brauchen heisst, dass man glücklicher ist mit als ohne.

Darum, liebe „starke“ Frauen und Männer, darf man ruhig von Zeit zu Zeit die Hosen runterlassen. Nicht DIE Hose, weisch, die Seelenhose meine ich. Zeigen, was ihr wollt, zeigen, dass euch das Gegenüber etwas bedeutet. Das macht in Wahrheit nämlich einen starken Menschen aus.

Wenn sich die Welt nur um sich selber dreht, bleibt man zwangsweise allein. Man muss schon offen für andere Welten sein, dann könnte es tatsächlich doppelt so schön werden.

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